Geschäftsführerin Dr. Andrea-Eva Ewels (Mitte) mit den Mitarbeitenden Frauke Rüdebusch und Dr. Lutz Kuntzsch
Geschäftsführerin Dr. Andrea-Eva Ewels (Mitte) mit den Mitarbeitenden Frauke Rüdebusch und Dr. Lutz Kuntzsch

Die Wort-des-Jahres-Erfinder

Von Hanna Gottschalk und Dr. Lutz Kuntzsch

 

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) mit Sitz in Wiesbaden seit 1965 ist seit 1947 ein politisch unabhängiger, gemeinnütziger Verein zur Pflege und Erforschung der deutschen Sprache. Seit über 75 Jahren verfolgt sie das Ziel, das Bewusstsein und das Interesse für die deutsche Sprache bei allen, die Deutsch sprechen und lernen, zu fördern.

 

Von der Aktion „Wort des Jahres“, welche 1971 ins Leben gerufen wurde, haben die meisten Sprachinteressierten schon einmal gehört. Dass die GfdS noch vielen anderen sprachlichen Aufgabengebieten nachgeht, wissen die wenigsten. Kommt sie nicht nur für die deutschsprachigen Länder und auch allen Deutschlernenden weltweit mitunter durch ihre Beratungsfunktion in Sachen Grammatik, Wortwahl, Satzbau zugute, sie hat auch sprachliche Fragen behandelt, die speziell mit der Region Wiesbaden und Mainz zusammenhängen. Im Folgenden ein paar Eindrücke und Bezüge zur Region:

Was ist der Ursprung der Städtenamen Wiesbaden und Mainz?


Der Ursprung des Städtenamens Wiesbaden ist noch gut erkennbar – „Das Bad in den Wiesen“ oder „die Wiesenbäder“. Erwähnt im Jahre 829 als Wisibada und 925 als Wisibadun (mit dem Grundwort baden) entstanden im ersten Jahrhundert n. Chr. die Siedlung der Mattiaker. Sie schätzen das heiße Wasser, deshalb lateinisch und bis heute groß am Kurhaus: Aquae Mattiacae, die Wasser (Substanz) oder die Wässer (Qualität) der Mattiaker. Ein Zeugnis der Bade- und Trinkkultur ist der zentrale Kochbrunnen, dessen heutiger Name aus dem althochdeutschen quechbrunn, dem „queck- oder quick-lebendiger Brunnen“, umgedeutet wurde. Gebadet wurde und wird in Wiesbaden sehr viel, besonders in den heißen Thermalquellen. Damit sind wir bei der ursprünglichen Bedeutung des Wortes „bad“, in früheren Zeiten wurde es nur für das heiße Bad genutzt (abgeleitet vom Wort bähen, was wiederum verwandt ist mit backen für wärmen/heizen).

Der Name der Stadt Mainz entstand wie folgt: Die keltische Siedlung war seit 13 v. Chr. römisches Legionslager, dann ab 346 Bistum und Erzbistum ab 782. Die offizielle Schreibung Mainz gibt es seit 1550; sie geht zurück auf Mentz, Mencze, Maintze – uns in der Umgangssprache durchaus vertraute Formen. Im 9./10. Jhd. hieß die Ansiedlung Maginza, zuvor im 7. Jhd. Magancia und noch früher, seit dem 6. Jhd. mittellateinisch Mogontia/Moguntia als Verkürzung von Mogontiacum. Das drückt eine Zugehörigkeit aus: Landgut des Mogontius (mit Mogon und Mogontia =Gottheit). Bis 1945 war Mainz Hauptstadt der hessischen Provinz Rheinhessen und liegt heute noch in Rheinhessen. Wiesbaden dagegen im Rheingau (= Gau mit der neutralen Bedeutung der „in sich geschlossenen Landschaft“). Im Dialekt klingen historische Formen an: „Meenzer Buwe, Meenzer Mädche, Meenzer Handkäs mit Musik …“ Und die falsch interpretierte „Musik“, denn sie ist von der Herkunft der „gemuste“ Käse.

Ich liebe meine Stadt –
Kann ich mein Kind „Wiesbaden“ oder „Mainz“ nennen?


Neben etymologischen Untersuchungen ist die GfdS tagtäglich mit Vornamengutachten beschäftigt. Denn uns erreichen täglich Anfragen zu Vornamen für das Standesamt. Dieses darf Jungen- bzw. Mädchennamen für ein Kind, auch geschlechtsneutrale, nur eintragen kann, wenn diese belegt sind (z. B.  im Internationalen Handbuch der Vornamen) und Namencharakter haben. Das erweist sich bei  vielen Vornamen, die aus anderen Sprachen stammen und in Deutschland noch selten sind, als schwierig. Daher betreiben wir umfangeiche Recherchen und erstellen Gutachten und, um den kulturellen Ursprung eines Vornamens zu klären und um einschätzen zu können, ob der Name das Kindeswohl gefährdet oder nicht.

Der weibliche Vorname Mainza hat es 2012 in Nordrhein-Westfalen in die Eintragung geschafft, auch Meins ist ein niederländischer Mädchenname, Meinze und Meinzo sogar gebräuchliche Vornamen in Deutschland. Zu Namen auf den Anlaut Wiesbad- gab es bisher noch keine Anfrage, dies würde sich auch schwierig gestalten, denn dieser Buchstabenabfolge liegt eben der Ortsname, kein Vorname wie bei Mainze, Meinzo, zugrunde. Doch Wiese als männlicher Name wurde schon standesamtlich vergeben, ebenso die Erweiterung Wieselina und auch Wieschen kann ein Mädchen in Deutschland getauft werden. Eine Anfrage zum gewünschten Namen Wiesengrund musste jedoch abgelehnt werden. Und wenn wir schon bei den Vornamen sind …

... Warum heißt es eigentlich Johannisnacht mit - i -, wenn doch in Mainz bei dieser Feier um den 24. Juni Johannes Gutenberg, mit -e- geschrieben, gefeiert wird?


Auch hierzu haben wir eine Antwort: Der Name Johannes, vom hebräischen Jochanan, fand durch die Verehrung Johannes des Täufers große Verbreitung in der christlichen Welt. Schon seit dem 5. Jahrhundert wird am 24. Juni das Fest seiner Geburt gefeiert. Dieses Datum hat auch symbolischen Charakter, denn es liegt sechs Monate vor der Wintersonnenwende und dem Weihnachtsfest, und auch die Lichtsymbolik dieser Zeit wird mit Johannes dem Täufer in Verbindung gebracht.

In Fauna und Flora hat der Heilige seinen Namen vor allem in der Schreibvariante mit -is hinterlassen: z. B. Johannisbeere – sie wird um den Johannistag herum reif – Johanniskraut,  Johannisbrot und Johanniswürmchen (Glühwürmchen). Mit dem Johannistag verbunden sind noch immer zahlreiche Bräuche wie das Johannisfeuer, das ebenfalls in der Symbolik von Feuer, Sonne, Licht und der Sommersonnenwende steht.

Und wie steht es um die unterschiedlichen Bezeichnungen
Fasching vs. Fastnacht und vor allem: Was bedeuten sie?

 

Der Mainzer Hochkultur, den Wiesbadenern Einerlei: Fassenacht! Für die sechs Tage von Weiberdonnerstag (Weiberfastnacht) bis zum Fastnachtsdienstag gibt es in Deutschland viele unterschiedliche Ausdrücke. Die Fastnacht leitet sich von dem mittelhochdeutschen vastnaht oder vas[e]naht für den Vorabend der Fastenzeit ab (Duden, Herkunftswörterbuch 2007). Auch fastelovend fällt in dieses Wortfeld und setzt sich laut dem Rheinischen Wörterbuch von 1928 ebenfalls aus den Wörtern fasten und Abend zusammen. Unklar ist, ob dabei auch ein Bezug zu faseln mit dem ursprünglichen Sinn von ›gedeihen, fruchtbar sein‹ besteht. Immerhin wurde laut Duden die Fastnacht bis ins 12. Jahrhundert als Vorfrühlings- und Fruchtbarkeitsfest gefeiert. Und wie steht es mit Fasching? Das Herkunftswörterbuch gibt dazu an, dass das mittelhochdeutsche Wort vaschanc oder vastschang für das Ausschenken des Fastentrunks benutzt wurde. Das Rheinische Wörterbuch führt helau unter der Interjektion hela als einen Spottruf hinter dem Fastnachtsnarren auf. Es folgten je nach Region unterschiedliche Spötteleien, die sich auf helau reimten. Das zu dieser Zeit notwendig verspeiste Hefegebäck trägt regional nicht nur unterschiedliche Bezeichnungen: Krapfen, Berliner, Pfannkuchen, Kreppel. Es wird auch zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr verzehrt. Mehr hierzu und andere Antworten auf sprachliche Fragen finden Sie auf unserer Webseite.

Wiesbaden, schon immer Stadt des Sprachvereins?


Konrad Duden, der Schöpfer des nach ihm benannten Wörterbuchs, hatte sich nach einem erfüllten Arbeitsleben und seiner Pensionierung mit 77 Jahren nach Sonnenberg, heutiger Stadtbezirk Wiesbadens, begeben, um dort in Ruhe an seinem Rechtschreibwörterbuch zu arbeiten und ab und an im Allgemeinen Deutschen Sprachverein, deren Nachfolger seit 1947 die GfdS darstellt, Vorträge über das Deutsche zu halten.

Die GfdS, vor 1965 noch mit Sitz in Lüneburg, beobachtet die Sprachentwicklung kritisch und gibt auf Grundlage von Regelwerken – wie dem Duden – Empfehlungen für den allgemeinen Sprachgebrauch. Neben Standardauskünften werden mitunter knifflige Einzelfragen der deutschen Sprache mit den Anfragenden diskutieren, um damit die Beteiligten für eine angemessene moderne Sprachpflege zu sensibilisieren. Es gibt insgesamt ca. 20 Anfragen am Tag, 100 in der Woche und mithin ca. 5000 im Jahr – und es wird so ziemlich alles gefragt. Unsere fast 46.000 schriftlichen Antworten bieten einen großen Fundus an nützlichen Auskünften.

Privatpersonen und Firmen nicht nur aus der Region können schriftliche Texte wie Anzeigen, Briefe, Geschäftsberichte und viele weitere nach unterschiedlichen Richt­linien, aber immer nach den geltenden Normen korrigieren zu lassen. Auch Personen, denen das Schreiben schwerfällt, melden sich gelegentlich bei uns.

Verbesserung der Verständlichkeit in Briefen von Behörden

 

Auch engagiert sich die GfdS für eine verständliche Amts- und Verwal­tungs­sprache in Mainz und Wiesba­den: Von den Stadtverwaltungen der beiden Landeshauptstädte erhielt die GfdS den Auftrag, in einer gemeinsamen Projektgruppe Leitsätze für eine bürgerfreundliche Verwaltungssprache zu erarbeiten: nun liegt ein Praxisleitfaden für die Verwaltungssprache der GfdS vor. Darin positioniert sie sich zur geschlechtergerechten Sprache: Wir schlagen Formulierungen vor, die den Anspruch erfüllen, zunächst männliche und weibliche Referenz-Personen gleichermaßen anzusprechen, wobei gleichzeitig eine gute (Vor-)Lesbarkeit und Verständlichkeit gegeben, die Formulierung grammatisch korrekt sein und eine Eindeutigkeit (in Bezug auf Rechtssicherheit) gewährleistet sein soll.