The Ordinaries ist einer der Anwärter für den kommenden SI STAR, Von Andreas Berg
The Ordinaries ist einer der Anwärter für den kommenden SI STAR, Von Andreas Berg

Filmförderung für Frauen –

made in Mainz

Von Andreas Berg

 

Arme Outtakes oder Kampf um die Hauptrolle – die Filmparabel The Ordinaries ist einer der Anwärter für den kommenden SI STAR


Ein lauschiiger Kinoabend an der „Kulturei“ der Zitadelle Mainz, bei dem alles passt: blauer Himmel, milde Abendsonne und ein außergewöhnlicher Film. Angekündigt ist die Freilichtaufführung des Spielfilmdebüts „The Ordinaries“ der jungen Regisseurin Sophie Linnenbaum im Rahmen des 10. Filmsommer Festival Mainz. Bereits zwei Stunden vor der Aufführung sind viele Stühle auf der Rasenfläche vor der Kulturei besetzt, von den heiß begehrten Liegestühlen ist keiner mehr frei.

Präsentiert wird der Film des Abends vom Mainzer Team des SI STAR Filmpreises, der seit 2016 alle zwei Jahre an junge Regisseurinnen anlässlich der Berlinale vergeben wird. Das Kürzel SI steht für Soroptimist International, ein internationales Netz­­werk berufstätiger Frauen. Gegründet 1921 in Kalifornien, der Name leitet sich vom lateinischen „sorores optimae“ – „die besten Schwestern“ ab. Mit der ersten Gründung eines SI-Clubs in Paris im Jahr 1924 breitete sich die Frauenorganisation auch europaweit aus. Heute gibt es weltweit über 3000 Clubs in 132 Ländern mit rund 80 Tausend Mitgliedern.

Sieben Mainzer Medienfrauen, alles SI-Aktivistinnen, haben die SI STAR-Auszeichnung initiiert, die mittler­­­weile zu einer begehrten Trophäe in der deutschen Filmbranche avanciert ist. Anlass für die Preisstiftung war ein 2015 erschienener Diversitätsbericht des Bundesverbandes Regie über die Genderverteilung von Regisseurinnen und Regisseuren. Daraus ging hervor, dass gleich viele Frauen wie Männer die Filmhochschulen absolvieren, aber nur für weniger als ein Viertel aller Filme im Kino und Fernsehen Frauen verantwortlich waren. „Wir wollen mehr Frauen vor und hinter der Kamera“, so die Gründerinnen, „vielfältigere Frauenrollen, Geschichten, Perspektiven auf unsere Welt!” Insgesamt 23 deutsche SI-Clubs, verteilt über die gesamte Bundesrepublik, unterstützen das Projekt. Vergeben wird ein Hauptpreis in Höhe von 10.000 Euro, ein Förderpreis in Höhe von 3.000 Euro und ein Sonderpreis in Höhe von 2.000 Euro.

Nach einer Vorstellung des SI Stars durch fünf Mitglieder des Teams und einem kurzen Talk mit der Produzentin von „The Ordinaries“, Britta Strampe aus Berlin, heißt es „Film ab“. Die anwesenden Kinofans werden an diesem Abend von einer ungewöhnlichen filmischen Parabel in Bann gezogen, die die Welt des Filmemachens unserer gesellschaftspolitischen Realität gegenüber-stellt. Was wäre, so die Fragestellung des Streifens, wenn Filmfiguren plötzlich ein Bewusstsein dafür entwickelten, dass sie Filmfiguren sind – gefangen in einem ungleichen System von Aufmerksamkeit, Leinwandzeit, Großaufnahmen und vorteilhafter Lichtsetzung nur für ganz wenige? Müsste nicht ein Hauen und Stechen um den Status der Hauptfigur einsetzen und Neid und Wut bei allen, denen das verwehrt bleibt? Die Filmheldin Paula, gespielt von Fine Sendel, ist 16 Jahre alt und kämpft darum, von einer einfachen Nebenfigur zu einer Haupt­figur aufzusteigen. Sie träumt von einem Leben mit einer eigenen Story, voller aufregender Szenen und grandioser Musik. Ganz arm dran sind die „Outtakes“, die „Asynchronen“, bei denen der Ton nicht mehr zum Bild passt oder auch die „Schwarz-Weißen“, die sich im Film alle als Looser in einer finsteren Spelunke treffen. Aber sie sind immer noch besser dran, als die Figuren, die gnadenlos ganz gestrichen wurden.  Diese sind „zwischen den Schnitten“, wie ihr Jenseits in Sophie Linnenbaums Dystopie genannt wird.

Die phantasievolle Filmparabel, eine Koproduktion von „Das kleine Fernsehspiel“ des ZDF und der Filmuniversität Babelsberg „Konrad Wolf“, ist ein Anwärter für den SI STAR-Preis, der am 23. Februar 2024 bei der Berlinale in der Bundeshauptstadt durch die rheinlandpfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer verliehen wird. Beim kommenden Mainzer Festival „FilMZ“ im November werden auch die sieben Filme zu sehen seien, die alle auf der Shortlist für den SI STAR-Preis stehen. Das engagierte Mainzer SI Star-Team kann aber noch mit einem weiteren Highlight für Cineasten aufwarten. Am 5. November gibt es um 11 Uhr eine Matinee im CineMayence mit der bekannten Regisseurin und Oscarpreisträgerin Caroline Link. Geboten werden Links erste Fernsehserie „Safe“, ein Networking Lunch und ein Filmgespräch im Salon. Perspektiven, bei denen sich kein Mainzer Filmfan als armer Outtake fühlen dürfte.